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Historie

100 Jahre Radsport in Greiz

1886 – 1986

Einige Briefkuverts mit dem Aufdruck „Radfahrverein 1886 Greiz" waren zunächst die einzigen Dokumente die darauf hinwiesen, dass der Radsport in Greiz in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen begeht. Das ebenfalls aufgedruckte Emblem des „Deutschen Radfahrer-Bundes" verwiesen auf die Zugehörigkeit dieses Greizer Vereins zum 1884 gegründeten größten der damals in Deutschland bestehenden Radfahr-Verbände: den Deutschen Radfahrer-Bund, der allgemeinen Radfahr-Union und den sächsischen Radfahrer-Bund. Erst ein Jahr nach Gründung des Greizer Vereins erfand der Engländer Dunlop die Luftbereifung, so das die Vermutung nahe liegt, dass die legendären Hochräder auch das Sportgerät der Greizer bei Gründung des Vereines waren.

Das bei einem Preis von rund 500,- Mark für ein Fahrrad und einen durchschnittlichen Wochenlohn von 8,- bis 10,- Mark für einen Arbeiter insbesondere in der Textilarbeiterstadt Greiz ein Fahrrad nicht erschwinglich machte versteht sich von selbst und lässt Rückschlüsse auf die Mitgliedschaft dieses ersten Greizer Radfahrvereins zu.

Als eines der damaligen Mitglieder (eventuell sogar Gründungsmitglieder) gilt der Greizer Paul Eichler, aus dessen Nachlass einige Fotos, Pokale und einige Bände des Sportalbums „Rad-Welt" heute im Besitz der Sektion Radsport Greika Greiz sind. Aus diesen Materialien gehr hervor, das dieser Verein nach heutigen Begriffen zunächst dem Bereich Radwandern zuzuordnen war. Einer der vorhandenen Pokale Trägt jedoch die Aufschrift: Radfahrverein 1886 Greiz „Dem Sieger im Reigenfahren" was den Schluss zulässt, das auch Kunst- und Reigenfahren betrieben wurde, was zur damaligen Zeit noch nicht in Turnhallen praktiziert wurde.


Für die Annahme spricht die Tatsache, dass in den erwähnten Sport-Alben der „Rad-Welt" mehrfache Artikel über den Kunstfahrsport, insbesondere zur Tätigkeit von Lehrwarten (Also nach heutigen Begriffen Trainingsmethodik) angestrichen und mit Randbemerkungen durch den früheren Besitzer Paul Eichler vorgenommen wurde, liegt die Vermutung nahe, dass er auch als Übungsleiter für das Kunst- und Reigenfahren tätig war.

Weitaus schwieriger ist die Feststellung, ab wann in Greiz der Radrennsport betrieben wurde. Der Radrennsport stellte sich in dieser Zeit sehr widersprüchlich dar. 1903 wurde in unserer Nachbarstadt Plauen eine Radrennbahn eingeweiht, die nachfolgend verschiedentlich als eine der attraktivsten „Provinzbahnen" Deutschlands bezeichnet wurde. Ob es sehr bereits um jene Bahn handelte, deren Überreste noch bis vor wenigen Jahren im Garten der ehemaligen Gaststätte „Tannenhof" (gegenüber der heutigen „Plamag") zu sehen waren, konnte nicht ermittelt werden. Das die „Radwelt" 1904 den Radrennbahnen vorwarf durch „billige Amateurrennen dem Niveau des Rennsports in Deutschland schweren Schaden zuzufügen" und das die gleiche Zeitschrift ein Jahr später berichtete „das in Deutschland zum ersten Male keine Amateure auf Radrennbahnenstarteten und trotzdem einganz enormer Aufschwung zu verzeichnen war", zeigt in welche Richtung der Rennsport trieb. Der damals zu den bekanntesten deutschen Rennfahrern gehörende Plauener Keilwerth war ein Strickereibesitzer und so genannter „Geldpreisfahrer" als nach unserer heutigen Begriffe ein „Profi".

Für 1904 werden für Keilwerth gewonnen Geldpreise von 3780, 00 Mark angegeben. Der Stunden-Bahnrekord in Plauen betrug 1905 hinter Motorführung immerhin 74,6 km/h.

Im Straßenrennsport behaupteten sich dagegen die Amateure, in den Ergebnissen tauchen jedoch keine Fahrer aus Greiz oder der näheren Umgebung auf.

Aus Erzählungen des mittlerweile verstorbenen ehemaligen Plauener Rennfahrers Max Huß ist noch in Erinnerung, dass es eine Rennvereinigung mit Geraern, Greizern und Plauener Rennfahrern gab. Diese Darstellung erschien zunächst ungewöhnlich, da Greiz und Gera ja zum Fürstentum Reuß, Plauen jedoch zum Königreich Sachsen gehörte. Da jedoch der bereits erwähnte Pokal des Greizer Vereins einem Plauener Sieger für eine Gau-Meisterschaft gewidmet wurde, ist auch diese gemeinsame Rennabteilung denkbar. Für diese Annahme spricht auch die Durchführung eines Radrennens Plauen-Gera, welches 1902 erstmals erwähnt wurde. Da dem Plauener Verein ausschließlich Bahnfahrer und demzufolge „Profis" angehörten, liegt die Vermutung nahe, dass der Sitz dieses Straßenrennvereins in Gera war. Dies würde auch das Fehlen von Greizer und Plauener Straßenfahrern in den Ergebnislisten jener Jahre ebenso erklären, wie den Wechsel des erwähnten Plauener Max Huß zu einem Verein im damaligen Chemnitz.

Im Gegensatz zur Widersprüchlichkeit des bürgerlichem Radsports entwickelte sich der Arbeiterradsport vorwiegend in den Sparten Kunstfahren, Radpolo und Wanderfahrten. Aus den „Roten Husaren des Klassenkampfes" wie sie die Geschichtsschreibung bezeichnete, entwickelte sich 1893 der sozial-demokratische Radfahr-Bund, aus welchem dann am 24.05.1896 der Arbeiter-Radfahr-Verein „Solidarität" hervorging. Zweifellos sind die niedrigen Löhne der Textilarbeiter der Greizer Umgebung die Ursache, dass es noch fast 10 Jahre dauerte bis in Greiz der erste Arbeiter-Radfahr-Verein entstand.

In einer Niederschrift des Greizer Arbeitersportlers Max Vorwieger wird erwähnt, dass 1905 Arbeiter-Radfahr-Vereine „Solidarität" in Greiz und Elsterberg entstanden. Für Greiz wird al Gründer Hans Mast angegeben, der ja auch nach dem 2. Weltkrieg mit dem Neuaufbau des Radsports in Greiz begann und vielen älteren Greizern noch in Erinnerung sein dürfte. Obwohl in einschlägigen Schriften des Arbeitersports und Erinnerungen heute noch lebender Greizer Arbeitersportler keinerlei Hinweise auf den Greizer Arbeiter-Radfahr-Verein „Solidarität" auftauchten, ist anzunehmen, dass Hans Mast Vorsitzender des Greizer Vereins blieb, bis zu dessen Verbot 1933 durch den Faschismus rettete. Dafür spricht, dass Hans Mast die Traditionsfahne des Greizer Arbeiter-Radfahr-Vereins „Solidarität über die Macht des Faschismus rettete. Leider war er nicht bereit, diese Fahne den Radsportlern der Sektion Radsport der damaligen BSG Fortschritt Greiz zu übergeben, sie ist seit seinem Tode spurlos verschwunden.

Im Gegensatz zu den fehlenden Informationen über die Arbeiter-Radfahr-Vereine Greiz und Elsterberg gibt es eine detaillierte Schilderung über den Arbeiter-Radfahr-Verein Naitschau von Walter Körner den folgende interessante Details zu entnehmen sind.

In Naitschau wurde im Jahr 1905 von der damaligen Arbeiterjugend und einigen jungen Männern, der Arbeiterradfahrverein (Frisch-Auf) gegründet. Das erste Fest was von diesem Verein durchgeführt wurde, war eine große Demonstration, es waren viele Brudervereine anwesend, so dass der kleine Ort einem noch nie da gewesenen bunten Bild glich. Alle Festzug-Teilnehmer hatten ihre Räder mit ihren Vereinsfarben geschmückt. Aber nach einigen Wochen stellte sich schon ein Kampf zwischen den bürgerlichen Turnverein und den jungen Arbeiterradfahren ein, aus dem bürgerlichen Turnverein wurden einige Arbeiterkinder die sich der Arbeiterbewegung ganz besonders widmeten- ausgeschlossen, die sich weil sie auch leidenschaftliche Turner waren, nach Göttendorf zogen zum dortigen Arbeiterturnverein, der Kampf führte sehr oft zu wüssten Schlägereien, was sich auch bis zum ersten Weltkrieg hinzog. 1914 hatte der Arbeiterradfahrverein eine Stärke von 54 Mann erreicht und war zu dieser Zeit einer der stärksten Vereine.

Nach Kriegsschluss blieben von den Reihen der Arbeiterradfahrer 24 Mitglieder. Ein kleiner Stamm macht sich 1919 auf und baute den Verein neu auf. Durch gute Aufklärungsarbeit gelang es mit 48 Mitgliedern die Arbeit zu beginnen. Wir fühlten uns auch gleich stark genug, den Kampf mit den bürgerlichen Verein aufzunehmen und brachten im Laufe von einem Jahr alle Mitglieder in den Turnverein, so dass wir 1920 daran gehen konnten, dem Arbeiterturn- und Sportbund beizutreten.

Wir führten das Kinderturnen ein und bekamen unseren Nachwuchs aus den Schulentlassenen, so das wir 1926 in der Lage waren eine Fußball – Sektion aufzustellen.

1933 wurde der Verein durch die Faschisten aufgelöst, und alle Geräte wurden beschlagnahmt.

Nach Fertigstellung der Chronik wurde als Mitglied des Arbeiterradfahrvereins „Solidarität" Greiz von 1926-1929 der noch lebende Werner Sachs ermittelt. Werner Sachs bestätigt, dass Hans Mast in dieser Zeit Leiter des Greizer Vereins war. Trainingsstätte war die Turnhalle Aubachtal. Es wurde insbesondere das Reigenfahren betrieben und so wurden zahlreiche gesellige Veranstaltungen des Arbeitersports kulturell umrahmt. Zunehmend wurden diese Veranstaltungen der Arbeiterbewegung zu direkten Kampfaktionen gegen den erstarkten Faschismus.

Insbesondere galt der Kampf der Arbeiterradfahrer der faschistischen „Reichsbanner-Organisation". Werner Sachs erinnert sich, dass die Mitglieder des Greizer Vereins vielfach als „Anti-Reichsbanner-Kuriere" mit ihren Rädern unterwegs waren. Es ist zwar heute nicht mehr zu kläre, ob der Greizer Verein der 1930 gegründeten „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit" unter Leitung von Ernst Grube beitrat., die politische Zielstellung und die Aktivität des Greizer Vereins im antifaschistischen Widerstandskampf stimmte eindeutig mit dem Zielen dieses fortschrittlichsten Teils der deutschen Arbeiterbewegung jener Zeit überein.

Aus vorhandenen Lizenzen des Inhabers der Greizer Glaserei Rudolf Baumgärtel geht hervor, dass er von 1925 – 1931 „Amateur – Einzelzeitfahrer" ohne Angabe eines Vereins und danach bis 1936 Professional in der Renn-Vereinigung Plauen war. Daraus ist abzuleiten, dass mit dem Verbot aller Arbeiter-Sportvereine ab 1933 und der Eingliederung der bürgerlichen Vereine in den faschistischen „Reichssportbund" ab 1935 der Radsport in Greiz völlig zum Erliegen kam.

Kurz nach der Zerschlagung des Faschismus begann Hans Mast mit dem Neuaufbau des Radsportes in Greiz. Bereits Ende 1945 bestand eine starke Kunst – und Reigenfahr-Gruppe in Greiz-Aubachtal, die bei zahlreichen Veranstaltungen der antifaschistischen-demokratischen Front öffentlich auftrat.

Gerd Männel, heute Leitungsmitglied der BSG Greika Greiz erinnert sich:

„Wir trainierten zunächst mit großer Begeisterung. Hans Mast besorgte – wer weiß woher – sogar Kniebundhosen und rote Westen, die wir stolz bei unseren Auftritten trugen. Unser erster öffentlicher Auftritt fand in der Jahnturnhalle statt. Wir waren furchtbar aufgeregt, da die kleine Bühne im Gegensatz zu unserem Training in der Turnhalle völlig ungewohnte Bedingungen bot. Das Kunstfahren wurde uns Jungens dann doch zu eintönig und so begannen wir mit dem Radballspielen. Da das bei Hans Mast auf wenig Gegenliebe stieß, meldeten wir uns 1947 fast alle bei der inzwischen entstandenen Sektion Fußball an." Bis Ende der 60iger Jahre wurde in Greiz noch Radball gespielt. Insbesondere Dieter Kluge und K.-H. Heinrich (Männer) und Harbeng/Weigel (Jugend) errangen zahlreiche Bezirksmeistertitel und schafften den Aufstieg zur DDR-Liga. Zahlreiche gut klassische Turniere in der Aubachtaler Turnhalle, unter anderem mit den damaligen Weltmeistern Martin/Dusin sind noch in Erinnerung. Leider kam nach Beendigung der aktiven Laufbahn von Dieter Kluge und K.-H.- Heinrich der Hallenradsport in Greiz völlig zum Erliegen.

War der Hallenradsport eine der ersten Greizer Sportarten der jungen demokratischen Sportbewegung, so ließ der Rennsport doch noch geraume Zeit auf sich warten. Rudolf Baumgärtel und der heutige Inhaber der Glaserei in der „Hohen Gasse", sein Sohn ernst waren zunächst bei „Union Gera", später bei „Rotation Plauen" organisiert, Paul Malz, heut Mitglied der Leitung der Sektion Fußball der BSG Greika Greiz fuhr bei „Fichtel und Sachs" (später Renak) Reichenbach. Der seit 1986 als Gastmitglied für Greika Greiz startende Seniorenfahrer Werner Bretschneider war bereits seit 1949 Mitglied der Reichenbacher Sektion.

Mit der Gründung der „Zentralen Trainingsstätte des Deutschen Sportausschusses" (DS) 1949 in Greiz, gab es für unsere Stadt auch erste Berührungen mit dem Rennsport. 1950 wurde dort unter Leitung des später bekannten Friedensfahrt-Trainers Werner Schiffner ein Lehrgang für Rennsportler aus der gesamten jungen Republik durchgeführt, als dessen Höhepunkt die DDR- Straßenmeisterschaften auf der Stecke Greiz - Reichenbach - Zwickau -Meerane mit der „Steilen Wand" –Gera -Schleiz -Schöpsdrehe -Greiz stattfand. Der Hallenser Edgar Schatz war der erste in Greiz ermittelte DDR Straßenmeister.

Im Jugendrennen verunglückte der Gothaer Klaus Törpe tödlich, sein Gedenkstein steht an der F 92 unmittelbar an der Bezirksgrenze Gera - Karl-Marx-Stadt in der Nähe des Abzweiges Cossengrün. In Erinnerung sind auch noch Rundstreckenrennen auf der Strecke August-Bebel Straße – „Sempuco"- Adelheid-Straße – Friedrich-Naumann-Straße mit Start und Ziel an der Tankstelle, die ebenfalls zunächst durch die Leitung an der Greizer Sportschule stattfindenden Radsport-Lehrgänge durchgeführt wurden. Erst aus dem Frühjahr 1953 liegen Unterlagen über eine Rennsport-Abteilung bei der BSG Fortschritt Greiz-Ost vor. Bis 1956 war Hans Mast Leiter der Sektion, danach liegen die Sektionsleiter in kurzer Reihenfolge Klug, Schmidt und Hierold. Ab Ende 1957 bis heute wird die Sektion (mittlerweile „Greika Greiz") durch Lenz, zunächst durch Volker, ab 1967 durch seinen Bruder Gerulf geleitet.

Dienstälteste Mitglieder sind der trotz seines Alters von 82 Jahren noch als Mechaniker tätige Hans Pfliegner sowie der stellvertretende Sektionsleiter Peter Gehrt, die beide der Sektion unmittelbar nach ihrer Gründung beitraten.

Offensichtlich gelang es den Greizer Radsportlern recht schnell zur Bezirksspitze vorzudringen. In einem gemeinsamen Schreiben der Sportvereinigung „Fortschritt" sowie des Bezirksvorstandes der Industriegewerkschaft „Textil-Bekleidungs-Leder" wird den Greizer Radsportlern Peter Lange, Kurt Lorenz, Rainer Graupner und Wilhelm Klug zum Gewinn des Bezirksmeistertitels 1955 im Einer Straßenfahren gratuliert. Die Mitgliederliste 1956 umfasst 45 Mitglieder, davon 30 Mitglieder über 18 Jahren. Bekanntester Fahrer dieser Zeit waren neben den bereits erwähnten Bezirksmeistern Hans Hierold, Fritz Baumgärtel, Erhard Fröhlich, Eberhard Meier, die Gebrüder Lenz, Hartmut Jauch und Manfred Enderlein. Manfred Enderlein war es auch, der nach dem Beschluss über die einheitliche Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern einen Lehrgang besuchte und als erster einen offiziellen Übungsleiterausweis erwarb. (1961). Noch heute ist Manfred Enderlein als Übungsleiter im Männer- und Seniorenbereich tätig. 1964 begann man in der Sektion mit dem Aufbau einer Schülerabteilung und etwa zur gleichen Zeit begannen auch die ersten Mädchen in Greiz mit dem Radrennsport. Kuno Schlaubitz war der erste, der infolge hervorragender Leistungen zu einem Sportclub, dem SC Dynamo Berlin delegiert werden konnte und als erster Greizer Mitglied der Jugend-Nationalmannschaft wurde. Es folgten Delegierungen von Gottfried Preißing, Jürgen Wolfram und Detlef Macha zu SC Turbine Erfurt. Mit fünf errungenen Weltmeistertiteln wurde Detlef Macha einer der erfolgreichsten Radsportler unseres Landes.

Autor: Volker Lenz